
Pflanzennamen: Lein, Flachs, Flachsbeere, Glix, Haarlinsen
Lateinisch: Linum usitatissimum L.
Englisch: flax, linseed
Familie: Linaceae (Leingewöchse)
Verwendeter Pflanzentell: Samen
Inhaltsstoffe: Schleim: bis 10 % Schleimpolysaccharide, die in der Epidermis der Samenschale lokalisiert sind. Weitere Inhaltsstoffe: Ballaststoffe (ca. 25 %), fettes Öl (bis 45 %), Sterole, cyanogene Glykoside, Lignine.
Botanik: Die einjöhCige Pflanze hat einen aufrechten glatten Stengel von 20 bis 70 cm Höhe, der mit wechselständigen, schmalen, lanzettlichen Blättern dicht besetzt ist. Die Farbpalette der Blüten reicht von violett, blau, graublau über rosa bis weiß, die Staubgefäße und der Griffel sind himmelblau.
Die Frucht ist eine 6 bis 8 mm längliche, runde, kugelige Kapsel mit 8 bis 10 Samen. Dieser ist länglich bis rundoval, glatt, glänzend und hellgelb bis dunkelbraun. Er ist geruchlos und schmeckt mild ölig.
Blüte: Juni bis August
Reife: August bis September
Vorkommen: Der Lein ist im westlichen Asien und Europa beheimatet. Mit Ausnahme der öquatorialen Länder gedeiht Lein jedoch weltweit bis weit über den Polarkreis hinaus. Der überwiegende Teil der Leinsamenproduktion stammt aus Argentinien, Marokko, Belgien, Holland, Ungarn und Indien. Riesige Anbauflächen findet man auch im Süden von Kanada und den angrenzenden Staaten der USA.
Standortansprüche: Gute Wachstumsbedingungen findet der Lein sowohl in kontinental als auch in maritim beeinflussten Klimalagen. Er hat relativ geringe Temperaturansprüche und auch an den Boden stellt der Lein fast keine Ansprüche; nur gegen Nüsse ist er empfindlich. Bevorzugt werden lehmige Sande und sandige Lehme. Leichtere Böden mit guter Wasserführung sind ebenfalls geeignet.
Geschichte: Bekannt ist Lein, auch Flachs genannt, schon seit der Steinzeit. Zusammen mit Linse, Erbse, Gerste, Emmer und Einkorn wurde Lein bereits zu den
Anfängen des Ackerbaus kultiviert. Die frühesten Nachweise stammen aus dem 5. Jahrtausend vor Christus. In Ägypten war das weiße Linnen Symbol für Licht und
göttliche Reinheit. Die Pharaonen wurden vor ihrer Mumifizierung in Leinentücher gehüllt, und auch die Bibel erwähnt die nützliche Pflanze.
Als Heilpflanze spielte Lein früher ebenfalls eine Rolle. Hippokrates etwa nennt Leinöl als Mittel gegen Katarrhe, Leibweh und Durchfall. Paracelsus empfiehlt Leinöl zur Reizlinderung bei Husten.
Als Bestandteil von Heil- und Zugsalben hatte Leinöl dank de Omega-3-Fettsäure, Alpha-Linolensäure, schmerzlindernde und entzündungshemmende Wirkung.
Inhaltsstoffe: Die reifen Leinsamen zeichnen sich durch ihren mit 30 bis 45 Prozent sehr hohen Gehalt an fettem Öl aus, welches vor allem wegen seiner ungesättigten Fettsäuren, Alpha-Linolen-, Linol- und Ölsbure, sehr wertvoll ist. Die Fettsäuren liegen überwiegend in Form ihrer Triglyceride vor. Des Weiteren besteht Leinsamen aus ca. 25 Prozent Eiweiß, und auch der Gehalt an Balloststoffen liegt mit ca. 25 Prozent sehr hoch. Dazu kommen Schleimstoffe, Wachse, Harze, Mineralien und Spuren von Blausäure-Glykosiden, durch die der Leinsamen ein wenig in Verruf geraten ist. Aber Untersuchungen haben ergeben, dass die Blausäure in Magen und Darm gar nicht frei wird und bei den empfohlenen geringen Mengen zur täglichen Einnahme auch nichts anrichten kann. Leinsamen enthält fast hundertmal so viele Lignane wie Getreide. Diese pflanzlichen Östrogene können hormonabhängige Krebsarten wie Brustkrebs oder Gebärmutterkrebs hemmen. Bevor die Phytoöstrogene in den Stoffwechsel gelangen, werden sie durch Darmbakterien in ihrer Struktur derart verändert, dass Verbindungen entstehen, die nur für Menschen spezifisch sind.
Heilwirkung: Leinsamen führen durch ihren Ballaststoffgehalt zu einer Volumenzunahme im Darm, regen durch diesen Dehnungsreflex die Darmperistaltik an und bewirken somit eine erleichterte und beschleunigte Stuhlentleerung. Infolge der abdeckenden Wirkung der Schleimstoffe besitzen sie ferner eine schleimhautschützende Wirkung.
Das Öl der Leinsamen enthält wertvolle ungesättigte Fettsburen, die bei der Vorbeugung gegen Arteriosklerose bekanntlich eine wichtige Rolle spielen.
Darüber hinaus gibt es Hinweise, dass eine mehrwöchige Leinsamendiät die Entstehung verschiedener Tumorerkrankungen verzögern kann. Vor allem die reichlich enthaltenen Lignane haben hier eine wesentliche Bedeutung. Ferner werden ihnen auch gute antioxidative Eigenschaften zugeschrieben.
Volksheilkunde: Gepulverter Leinsamen, frisch, mit Honig gut vermischt und teelöffelweise eingenommen, ist ein vorzügliches Brustmittel.
Leinsamen zermahlen und mit Honig vermischt, als Latwerge eingenommen, räumt die Brust vom Schleim, stillt das Husten und lindert die rauhe Kehle.
Der Leinsamen erweicht, lindert und zeitigt alle Geschwüre, Geschwülste, nimmt auch die Hitze und Spannung um die Geschwüre und Geschwülste.
Leinsamen in Wasser gesotten und davon das Wasser zu einem Klistier genommen, ist gut bei Darmkrämpfen oder Gebärmutterkrämpfen.
Frisches Leinöl, schluckweise warm getrunken, ist gut gegen Seitenstechen.
Bei Bauchkoliken nehme man rohes Flachsgarn, siede es in Wasser mit etwas Holzasche, drücke es aus und lege es möglichst warm auf den Bauch.
Leinöl dient zum Einreiben der schmerzhaften Hämorrhoiden und auch zum Einreiben der schrundigen Hände.
Leinsamen auf die heiße Herdplatte gelegt, und den Rauch durch einen Trichter in die Nase aufziehen, ist gut bei Schnupfen.
Mit Rosenwasser aufgeweichten Leinsamen auflegen, heilt narbenlos die Brandwunden.
Heißer Leinsamen in einem Leinensäckchen aufgelegt, lindert rasch die Schmerzen bei gichtischen oder rheumatischen Anfüllen.
